Venedig – Zuerst ist es nur ein murmelgroßer Klumpen. Doch als dieser Glasmacher etwas Luft hineinbläst, dehnt für sich das Glas aus und wächst zu einer stets größeren Blase heran. Nur wenige Minuten später ist Livio Serena fertig. Ein dunkelroter, in der Mitte schlank zulaufender Weinkelch steht vor ihm auf der Arbeitsfläche – eines von Hunderttausenden von Produkten, die jährlich auf dieser bei Venedig gelegenen Insel Murano nach Geheimrezepten gefertigt sowie in die ganze Welt geliefert werden. Gaetano Mainenti, Leiter dieser Kulturabteilung dieser Glasschule „Abate Zanetti“ in Murano. Folglich gibt es auch keine feste Ausbildung zum Glasmacher. Nur wer wie Livio Serena auf dieser Insel geboren und aufgewachsen ist und sich Jahrzehnte später als Experte einer eigenen Glastechnik etabliert hat, erklimmt schließlich den Olymp dieser Glasmacher sowie kann sich „Maestro“ nennen. Diesen Titel tragen nur rund 150 Glasmacher auf Murano – aber lebt die kleine Insel nordöstlich von Venedigs Zentrum noch pausenlos hauptsächlich von der Glasproduktion. Unzählige Geschäfte reihen sich in der Fondamenta dei Vetrai sowie der Fondamenta Cavour aneinander sowie bieten von kleinen Perl-Ohrringen über zarte Tiermodelle bis hin zu opulenten Kronleuchtern vieles an. Aus den Werkstätten in den Nebenstraßen sind das Brummen dieser rund ca. die Uhr brennenden Öfen wenn das ständige Klappern jener Blasrohre und Werkzeuge zu hören.

Bullaugen wurden frührer gegossen

Dieser amerikanische Eisbrecher „Mackinaw“ wurde mit heizbaren Bullaugen ausgerüstet; die Scheiben sind mit einem zweimillionstel Millimeter dünnen Metalloxyd-Film beschichtet, dieser für sich erwärmt, sowie er von elektrischem Strom durchflossen wird. Ein anderer Weg, dem Glas neue Eigenschaften zu verleihen, ist die verschiedenartige Behandlung dieser Glasschmelze — beispielsweise durch schnelles oder stark verzögertes Abkühlen. Durch Abschrecken dieser glühenden Schmelztropfen in Wasser hatten aktuell im 17. Jahrhundert bayrische Glasmacher Glas gehärtet. Jene „Prinz-Rupert-Tropfen“ widerstanden sogar Hammerschlägen; brach man jedoch die feine Tropfenspitze ab, zersprangen sie in pulverfeine Splitter. Den Scherzartikel entwickelten die modernen Glas-Forscher zum dauerhaften Gebrauchsgegenstand: Gläser und Geschirr, in milden Öl- oder Salzbädern abgeschreckt („getempert“), sind nahezu unzerbrechlich — sie widerstanden Test-Stürzen aus dem neunten Stock eines Hochhauses. Chemisch getemperte Glasscheiben der US-Firma Pittsburgh Plate Glass Company können wie federndes Blech gebogen werden. Ähnlich blieb die technische Nutzbarkeit jener Glasfasern lange verborgen. Thüringische Glasmacher hatten das ungewöhnlich schmiegsame, elastische sowie reißfeste Glasgespinst als Christbaumschmuck verkauft, als „Engeishaar“.

Erste Fenstermacher aus dem Islam

Das pakistanische Parlament erklärte 1974 alle Ahmadis wegen Abweichung von dieser traditionellen Lehre für Nichtmuslime. Es gab und gibt Verfolgungen, auch in anderen islamischen Ländern. 1975 wurde die Ahmadiyya von der saudi-arabischen „Liga der islamischen Welt“ aus jener Gemeinschaft des Islam, der Umma, ausgeschlossen. An diesem 14. September führte Joachim Swietlik die bisher letzte Protestdemonstration gegen die geplante Moschee an. Sie startete an diesem Baugrundstück dieser geplanten Moschee in dieser Tiniusstraße sowie ging bis vor das Pankower Rathaus. Rund 1500 Menschen folgten ihm. Zwei Wochen als nächstes tagte, diverse Kilometer entfernt, die große Islamkonferenz. Innenminister Wolfgang Schäuble verkündete, dass der Islam „ein Teil Deutschlands“ sowie „ein Teil unserer Zukunft“ sei. Man kann sagen, Swietlik und Schäuble waren in derselben Stadt. Sie äußerten sich zum selben Thema. Andererseits sie dachten in unterschiedliche Richtungen. Dieser Innenminister betonte die Chancen dieser Integration, Muslime könnten etwas beitragen zur Gesellschaft, was vielen Deutschen zu entgleiten drohe, sie achteten die Familie, die Alten und die Tradition. Swietlik, evangelisch getauft, demgegenüber Atheist im Leben, betont die Risiken des Zusammenlebens. Was bei Schäuble „Abwägung zwischen Sicherheit sowie Freiheit“ heißt, das ist bei Swietlik die Angst davor, dass eine fremde Religion sowie eine fremde Kultur sein Leben und seinen Stadtteil unterwandern.

Der Islam war bisher nie bis Pankow-Heinersdorf gekommen. Er kam ja nicht mal richtig in den Osten dieser Stadt. Er blieb drüben in Kreuzberg, Neukölln oder im Wedding, er war weit weg, man kannte ihn hier aus den Nachrichten, man konnte die deutsche Debatte gegen Integration sowie Parallelgesellschaften beobachten wie Schwierigkeiten aus einer fernen Welt. In den Talkshows streiten Politiker über Leitkultur, Ehrenmorde und ob das Kopftuch ein Zeichen für mangelnde Integration sei und die Unterdrückung der Frau. Wolfgang Schäuble, der Innenminister, hat jetzt die Idee vom deutschen Muslim. Die Wortschöpfung klingt ein bisschen wie eine Kreuzung. Wie der Wunsch nach jemandem, der mehr so ist wie man selber. Mehr deutsch, minus Muslim. Hinwieder wie soll man sich ganz unten annähern, da, wo die Muslime existieren und eine Moschee bauen wollen? In Heinersdorf stellten für sich die Leute ängstlich Fragen: Wie kommen die Muslime ausgerechnet auf uns? Und warum bauen Fremde in unserem Ortsteil plötzlich eine Moschee?

Neben jener Eingangstür stehen noch acht leere Flaschen Sekt. Dienstag sowie Donnerstag machen sie grade Bürgerberatung, von 17 bis 19 Uhr. Die Lage des Büros könnte nicht oft besser sein, Tiniusstraße 9. Nur ein Gebäude versperrt den Blick auf das Nebengrundstück. Ins Feindesland. Swietlik und die anderen von jener Bürgerinitiative sitzen momentan wie ein Grenzposten an dieser Trennlinie zwischen Abendland und dem Morgenland, das nebenan errichtet werden soll. Jahrelang stand das Nebengrundstück leer. Es gab noch die DDR, als die alte Sauerkrautfabrik schloss. Das war 1987. Dann passierte nichts mehr, das Grundstück wuchs zu. Da, wo eine Sauerkrautfabrik war, soll gerade bald eine Moschee stehen. An dem 19. April 2005 stellte die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde beim Bezirksamt Pankow, Amt für Planen sowie Genehmigen, einen Antrag auf Vorbescheid für den Bau eines islamischen Gemeindezentrums mit Moschee. Die Moschee sollte zweistöckig sein, mit einem zwölf Meter hohen Minarett. Bislang nutzt die Ahmadiyya-Gemeinde ein Einfamilienhaus in Reinickendorf als Moschee.

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