Glas ist allgegenwärtig. Das unentbehrliche Schmelzprodukt, einst so kaum und kostbar wie Gold, fließt derzeit tonnenweise aus tönernen Häfen und platin-überzogenen Wannen. Als endloses Buch quillt die zähflüssige Masse auf straßenbreite Ziehtische sowie automatische Blasmaschinen; sie wird zu Scheiben sowie Spiegeln poliert, zu Ziegeln gegossen, zu Flaschen. Glühbirnen sowie Thermometern geblasen, zu Brillengläsern und Photolinsen geschliffen. Wert jener bundesdeutschen Glasproduktion: jährlich mehr als drei Milliarden Mark. Jeder Bundesbürger verbraucht im Jahr rund 14 Kilogramm Glas. Luxussteuer hatte noch der Sonnenkönig Ludwig XIV. Frankreichs Bürger ihre Gebäude mit Glasfenstern versahen. Erst als vor nunmehr 150 Jahren ein Glas-Grundstoff — Soda — auf industrieller Basis produziert werden konnte, wurde das begehrte Material wohlfeil. Die Gebäude wurden durchsichtig, die Nächte hell: Architekten überzogen Fabriken mit Glasdächern, wölbten gläserne Kuppeln über Ausstellungs- sowie Bahnhofshallen. Dieser Jenaer Chemiker Otto Schott, Erschaffer der modernen Glastechnik, lieferte etwa Ende des vorigen Jahrhunderts jährlich 40 Millionen Gaslicht-Zylinder in alle Welt. Abzgl. augenfällig, unmerklich fast, vollzieht für sich momentan die zweite Revolution der Glas-Industrie, die Entwicklung höchst unterschiedlicher Spezialgläser gleichsam vom Reißbrett.

Noch haben die Wissenschaftler das Mirakel nicht vollständig aufklären können, warum die drei trüben Substanzen, in dieser Schmelze zusammengebracht, wasserklar sowie glashart werden. Sowie jederzeit wieder erleben sie Überraschungen, wenn sich durch Zusatz von Spuren dieser verschiedensten Elemente plötzlich die Eigenschaften des erschmolzenen Materials ändern. Mittelalterliche Glasmacher mischten der grünlichen Glasschmelze Kupfer oder Gold bei sowie gewannen so das rubinrote Glas für Pokale sowie Kathedralenfenster. Den modernen Chemikern gelangen weit ungewöhnlichere Mixturen. Brillen sowie Schaufensterscheiben, die geringe Mengen des Schwermetalls Molybdän enthalten, färben für sich im Sonnenlicht blau; im Schatten werden sie wieder farblos. Einen ähnlichen Effekt erzielten die Forscher der amerikanischen Corning-Glaswerke mit einer Silberverbindung. Dieses Glas eignet sich besonders für Windschutzscheiben: Dieser eingeschmolzene Sonnenbrillen-Effekt wird nur von den Ultraviolett-Strahlen des Sonnenlichts ausgelöst, nicht dagegen von Kunstlichtquellen in der Nacht. Ein dehnbares Personenkraftwagen-Sicherheitsglas entwickelte die Libbey-Owens-Ford Company in dieser Automobilstadt Detroit (US-Staat Michigan). Prallt jener Kopf des Fahrers bei einem Unfall ca. die Frontscheibe, so beult sie für sich aus wie eine Platte aus zähem Kitt — eine Plastikhaut hält die Scherben zusammen.

Bauchige Weingläser schlängeln sich Reihe für Reihe über endlose Produktionsbänder. Auf vollautomatischen Fertigungsstraßen formen High-Tech-Apparaturen des bayerischen Glasherstellers Zwiesel Kelchgläser, Karaffen und Vasen. Verfahrensmechaniker für Glastechnik steuern und überwachen die Anlagen, so wie Josef Kroner, Auszubildender im dritten Lehrjahr. Kroner ist 20 Jahre alt, schon sein Großvater hat bei Zwiesel gearbeitet. Im Unternehmen lernt er, wie er die Produktionsanlagen programmiert und worauf er bei der Überwachung achten muss. Er erfährt, wie das zähflüssige Rohglas in die Anlagen kommt, wie die Maschinen mit Hilfe von Elektronik, Hydraulik oder Pneumatik gesteuert werden sowie wie man sie wartet. Ebenso lernt er, wie man die Qualität kontrolliert. Glas wird nicht nur für Fensterscheiben sowie Getränkeflaschen verwendet, anstelle auch für Fernsehbildschirme, Spiegel, Ceran-Kochfelder oder Solarmodule. Entsprechend vielfältig sind die Herstellungsprozesse: Die Waren werden in einer 1600 Grad heißen Glasschmelze aus Quarzsand oder aufbereitetem Altglas, Soda, Kalk, Dolomit, Feldspat und Pottasche produziert. Je nachdem, wofür das Glas gebraucht wird, variiert die Zusammensetzung der Stoffe. Nach dem Schmelzen wird das flüssige Glas heruntergekühlt, in die gewünschte Form gebracht, sowie die Oberflächen werden veredelt.

Heinersdorf ist Berlin, andererseits eher geografisch als gefühlt. Heinersdorf hat 6500 Einwohner sowie gehörte in der DDR zum Region Weißensee, darauffolgend wurde es dem Stadtbezirk Pankow zugeschlagen. Kirche. Viele Leute sind hier geboren und zogen nie fort. Im April gründete für sich die „Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger“, kurz Ipahb, mit dem Ziel, den Bau der Moschee zu verhindern. Sie umfasst grade 70 Leute. Joachim Swietlik betreute zunächst die Website, darauffolgend, als der Vorsitzende, ein pensionierter Urologe, mit Herzrhythmusstörungen zurücktrat, wurde er der neue Vorsitzende. Es ist sein erstes Amt. Es ist das erste Mal, dass Swietlik, 42 Jahre alt, Dauercamper und gelernter Baumaschinist, in die Politik gerät. Er gibt Interviews im Fernsehen, er spricht mit Journalisten aus Brasilien, Amerika sowie Tschechien, die Visitenkarten liegen in seiner Brieftasche wie Nachweise einer wundersamen Karriere. Zu den Ablehnungsgründen, die die Bürgerinitiative formulierte, gehören Dinge wie Verkehrschaos, fallende Grundstückspreise neben der Befürchtung, „unsere Kultur dem Islam anzupassen“. Es ist der längste Absatz unter allen. Die Ahmadiyya-Gemeinde hat in Berlin bisher nur knapp 200 Mitglieder, hinwieder was heißt das schon?

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